Zwischen Gummiringerl, Waschlappen und Highspeed Festplatte

Ihr fragt euch was die merkwürdige Überschrift „Zwischen Gummiringerl, Waschlappen und Highspeed Festplatte“ soll?

Angeregt wurde ich zu diesem Beitrag von einer jungen Standard-Journalistin, die eine Reflexion über ihren Start zur, ihre Zeit während und ihren Abschluss der Bildungskarenz schrieb. Nachlesen könnt ihre den Beitrag von Andrea Heigl mit dem Titel „Ich bin ein Gummiringerl“ hier.

Trotz jahrelangem Standard-Wochenende- und Falter-Wochen-Abo…

„Ich möchte gerne die Papierzeitungen zu Hause haben, denn da liest sich´s viel entspannter, als auf dem Handy! Da hat man noch was in der Hand und schätzt den Qualitätsjournalismus.“

… habe ich ebenso jahrelang so gut wie nie geschafft in eben die genannten Zeitungen einen Blick zuwerfen. Daher war die häufigste Verwendung beider Printmedien eher im Bereich des Deko- und Geschenkwesens als weihnachtliches Verpackungsmaterial gelegen. Aber auch das sollte sich und hat sich bereits durch die angehende Bildungskarenz geändert. Der Artikel über das Gummiringerl-Dasein von Andrea Heigl war wohlgemerkt meine sonntägliche Morgenlektüre! Im Bett! In Form der Printausgabe! – Meine erste große Lektion in der „Bildungskarenz-Eingangs-und-Orientierungsphase“ (kurz: BEOP)!

Ich als Gummiringerl?

In dem mehrfach genannten Beitrag beschreibt die junge Journalistin Heigl ausführlich, warum sie sich selbst als „Gummiringerl“ definiert. Sie falle unter jene Kategorie Menschen die weit dehnbar sind. Im beruflichen Kontext meint „dehnbar“ meist E-Mails im Urlaub zu lesen und/oder zu beantworten, auch nach Mitternacht über die Lösung eines Problems zu grübeln, krank zu sein aber dennoch motiviert zur Arbeit zu erscheinen uvm. Bleibt das Gummiringerl über einige Zeit bis aufs Äußerste gedehnt, so droht ihm die „Versprödung“ (und ja, ich würde auch sagen die „Verblödung“) und das Zerreißen. Damit diese Zerreißprobe nicht bis auf die Spitze getrieben wird, bedarf es ab und an der Entspannung.

RexgummiDiese Metapher gefällt mir.
Ich denke, unter als diesen Gummiringerl-Menschen, bin ich wohl ebenso eines.
Und ich überlege weiter: Gibt es neben Gummiringerl-Menschen vielleicht noch weitere Kategorien?
Und hier fallen mir Rex-Gummis ein.

Rex-Gummis werden zum Verschließen von Einmachgläsern verwendet. Wer bspw. schon einmal Kirschkompott in Einmachgläser abgefüllt oder diese zum Zweck des Verzehrs auch nur geöffnet hat, hat sich eventuell gewundert wie lange so ein Kompott hält. Daraus resultiert, dass Rex-Gummis meist über eine längere Periode – länger als die meisten herkömmlichen Gummiringerl – angespannt bleiben ehe sie sich wieder entspannen können. Gibt es also neben all diesen Gummiringerl-Menschen auch Rex-Gummi-Menschen?

Die zweite Lektion meiner der BEOP, ist jene, dass sich jedes Gummiringerl – egal ob Rex oder nicht – irgendwann entspannen muss. Und dass dies gleichsam eine Verpflichtung, eine Notwendigkeit und auch eine Verantwortung sich selbst und seinem sozialen Netzwerk gegenüber ist.

Ich als Waschlappen?Waschlappen

So sehr ich diese Lektion mit meinem Rex-Gummi-Verstand verstehe, kommt sie dennoch noch nicht zur Gänze im Alltag an. Denn auch wenn ich weiß, dass es die Notwendigkeit der Entspannung gibt und ich Verantwortung über mich selbst und meine Liebsten habe, begleiten mich Momentan noch eher Gedanken wie…

„Ich habe das ja gar nicht verdient, während die anderen täglich zur Arbeit gehen.“
„Merkwürdig, ich bekomme plötzlich nur noch an die 10 E-Mails pro Tag. Hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen.“
„Hoffentlich läuft auch alles gut ohne mich… Oder benötigt jemand meine Hilfe?“

Resümierend kann ich sagen – um weiter in Metaphern zu sprechen – ich fühle mich zwischen den entspannenden und erholsamen Momenten auch immer wieder mal wie ein Waschlappen. Wie ein nasser Fetzen, der nicht mehr gebraucht zum Austrocknen auf eine Wäscheleine gehängt wurde. „Gebraucht“ werden nun andere. Darum erhält man auch keine dringenden Anfragen, wichtigen Informationen oder tagesaktuellen News aus dem Büro in die Mailbox geliefert. War man gerade noch im Übergabestress, ist man ganz plötzlich, ohne dass man es selbst gemerkt und reflektiert hätte, aus dem Geschehen gepurzelt. Man hat sich rausgezogen und nun ist man schon draußen.

Was tun mit dem Gefühl ein Waschlappen zu sein?
Aushalten? Sich dagegen wehren? Vergeht oder bleibt es? Sich davon ablenken?
Meine persönliche Reaktion war zunächst dieses Gefühl durch noch mehr Arbeit, produktive Pläne und engagierte Zukunftsüberlegungen zu füllen. Jetzt sei ja schließlich die Zeit, wo ich wirklich produktiv sein kann.
Dann dachte ich aber an die Gummiringerl-Metapher. Ja, der Waschlappen darf auch mal runterhängen. Das gehört dazu. Sich jetzt mit noch mehr Arbeit und Pläne einzudecken, würde das Gummiringerl wieder nicht entspannen.

Ich als High Speed Festplatte?alter_PC

Zwischen diesem gefühlsmäßigen Chaos merke ich aber auch, dass mein verstaubtes, von den Mails und To-Dos überlagertes und ein wenig eingerostetes Hirn langsam aufwacht. Anstelle der bisherigen Gedanken…

„Bitte nicht noch ein Lektürevorschlag.“
„Über was es alles Bücher und Vorträge gibt! Wen interessiert denn das?“

rückt ein aufgewecktes Interesse. Ich sauge Informationen gleich welcher Art in mich auf. Publikationen über absurdeste Themen sind plötzlich spannend.

„Lustig. Über das Thema hat jemand ein ganzes Buch geschrieben? Das ist ja spannend.“
„Auch Kochbücher sind spannende Lektüren.“
„Warum nicht auch mal einen Roman lesen.“ (Wer mich kennt weiß, dass ich so gut wie nie einen Roman lese!)

Auch entdecke ich, dass es bedeutsam ist, wann und wo man in welcher Stimmung sich mit welchem Thema auseinandersetzt. Ein philosophisches Buch zum Frühstück in einem Cafe zu lesen trägt eine andere Nachricht in sich, als das gleiche Buch bei einem Radler auf 1905m Seehöhe zu lesen.
Ich gleiche im Moment auch einer hochleistenden Festplatte, die alle zugänglichen Informationen speichert. Egal wann, von wem, in welcher Form und über welches Thema.

Resümierend definiere ich mich selbst zum heutigen Zeitpunkt, Mitten in der Bildungskarenz-Eingangs-und-Orientierungsphase (BEOP), als ein sich entspannendes Rex-Gummiringerl mit hochleistenden Speicherkapazitäten, das wie ein Waschlappen von der Wäscheleine hängt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s