Clash of Realities 2014 (Köln)

Cor14_1 Eine Woche ist es her, dass die Clash of Realities 2014 unter dem Thema SPIELWELT – WELTSPIEL in Köln stattgefunden hat und immer noch spüre ich die Nachwehen im Sinne vieler Inputs und Ideen, die mir diese Konferenz beschert hat. Daher schicke ich hiermit – etwas verspätet – eine Zusammenfassung der Erfahrungen die ich mit nach Innsbruck genommen habe ins weite weite Netz. Da mein Forschungsinteresse mehr im kulturwissenschaftlichen Bereich der Game Studies liegt, lege ich hier ebenso den Fokus darauf. Das heißt nicht, dass ich die Beiträge im Bereich des Game Designs minder schätze :-).

SPIELWELT – Graeme Kirkpatrick

Köln1Begonnen hat das Clash-of-Realities-Spiel mit einem fulminanten Vortrag von Graeme Kirkpatrick (Manchester, UK) zur Frage Ludification oder Ludefaction?. Kirkpatrick definiert die Welt, in der wir leben als eine per se ludische. In den unterschiedlichsten Bereichen des kulturellen Lebens findet sich Spielerisches. Das zeigt sich etwa im Kontext der Arbeitswelt wenn wir von einem kleinen, episodenhaften, spielartigen Arbeitsfeld zum nächsten hüpfen und dabei möglichst kreativ, aber dennoch ressourceneffizient im Idealfall die beste Lösung suchen. Eine Spielifizierung erkennt Kirkpatrick auch in der Umgangsform mit sozialen Kontakten in sozialen Netzwerken wie Facebook. Das Spielziel könnte hierbei darin liegen, möglichst viele „Freunde“ zu gewinnen um die Aufmerksamkeit rund um das eigene Profil zu steigern. Kirkpatrick macht damit gleich zu Konferenzbeginn die Ambivalenz des Spiels und des Spielens zum zentralen Thema. – Ist das Ludische in der Kultur gut oder schlecht?

Als Nachwehen stellen sich mir die Fragen:

  • Können wir überhaupt verallgemeinernd darüber entscheiden ob das Ludische in der Kultur gut oder schlecht ist?
  • Ist das nicht viel eher eine subjektiv zu beantwortende Frage?
  • Wie nimmt eine Person eine Situation wahr? Welche Umgangsform hat die Person dafür entwickelt?
  • Welche Möglichkeiten hat eine Person die kulturelle Gemeinschaft als spielerisch wahrzunehmen, wenn sich in diesem Spiel stets schon mitspielt?
  • Welche Möglichkeiten könnten hier geschaffen werden? Welche Rolle könnten dabei Game Play spielen?

LEBEN in Spielwelten und durch Weltspiele

COR3Ein Konferenz-Track hat sich der Frage gewidmet, ob und in welcher Form Computerspiele als Lernspiele oder als Form der Anregung von Bildungsprozessen eingesetzt werden können. Hier möchte ich auf 3 Vorträge eingehen:

  • In seiner Keynote hat Tomas Rawlings (Bristol, UK) die Charakteristika, die Besonderheiten aber auch die Herausforderungen von News Games erläutert. Unter News Games werden solche Computerspiele verstanden, die in journalistischem Stil auf aktuelle globale Geschehnisse hinweisen und darüber informieren. Auch wenn sie sich in erster Linie nicht als Lernspiele sehen, können sie Lernprozesse anregen.
  • Marco Kalz (Heerlen) hat 3 von seinem Team entwickelte (Computer-)Spiele vorgestellt, die insofern Lern- und Bildungsprozesse anregen, als sie krisenhafte Momente, Katastrophen und scheinbar unlösbare Probleme als Ausgangspunkt nehmen, Spielende in ein Setting nahe eines realen Ereignisses bringen und medial-gesteuert (bspw. via Smartphone) zur Problemlösung führen. Dabei können die Hilfestellungen je nach Niveau und Notwendigkeit differieren.
  • Und auch mein Beitrag Kommt das Spiel in die Kultur zurück? hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, welche Bedeutung dem Spielerischen in unserer kulturellen Gemeinschaft zukommt und welchen Einfluss dies auf unser Leben, unser Lernen und unser Weiterentwickeln hat. Ich habe dabei die Frage gestellt, ob Gamification als eine Antwort auf diese spielerischen Gesellschaftsstrukturen gelesen werden kann (Prezi gibt’s hier, Artikel auf Anfrage :-)).

WELTSPIEL – Britta Neitzel

Abschließend spannte Britta Neitzel (Linz) in ihrer Keynote zum Thema Location Based Games den Bogen zum Thema WELTSPIEL. Sie stellte sich der Frage nach dem Sein im Spiel.

  • Wo befindet man sich beim Spielen im Spiel?
  • Wo ist der Spiel-Ort?
  • Wie sieht das Sein im Computerspiel aus?

Es geht um die Frage nach dem Beziehungsverhältnis zwischen der Spielwelt, des Weltspiels und dem Sein der Spielenden.
Als Versuch einige dieser Fragen zu beantworten geht Neitzel näher auf Location Based Games ein. Das sind (Computer)Spiele die an einen konkreten Ort, an ein geografisches Setting gebunden sind und meist durch Mobile Devices gesteuert werden. Sie ging auf die Formate Geocaching, Mister X und Ingress ein.

Resümierend kann ich für mich behaupten, dass die Clash of Realities 14 ein Tricker zum weiterdenken, weitertüfteln und weiterspielen rund um die Frage der Bedeutung des Spiels und des Spielens in unserer kulturellen Gemeinschaft war und immer noch ist.
The powerful play goes on!
(Zitat von Walter Withman aus „Leaves of Grass“, 1892)

Köln

3 Gedanken zu „Clash of Realities 2014 (Köln)

  1. Ich finde es sehr klug darüber nachzudenken, wie das „Spielerische“ genutzt wird, Eingang findet in viele andere Settings, in denen es plötzlich einen Beitrag leisten soll.

    Noch spannender, da stimme ich zu ist es für mich jedoch, was braucht es um die Welt als spielerisch zu begreifen… und wo verorte ich mich, wenn ich Spiele. Es ist also die Frage des Raumes die mich hier anspricht (… passend zu der Ausstellung im Museum Ludwig, gleich neben dem oben gezeigten Kölner Dom). Wo bin ich wenn ich Spiele und wie sehen meine Beziehungen aus.

    Eine Frage die ich mir jetzt, also nicht nur um 10.58 „laufend“ stellen sollte 😉

  2. PS: Mir gefällt das Design des Blogs wirklich sehr gut… merke grad wie altbacken ich da noch aufgestellt bin. Vielleicht darf ich mir da mal Tipps und Anregungen holen 😉

    1. –> Also über das Design können wir gerne mal sprechen. – Bin da aber einfach auch noch am Experimentieren 😉
      –> Und über das Spielerische „in der Kultur“ und dem Spiel-Raum werden wir bestimmt zeitnah nochmal im Detail sprechen können. Vielleicht hab ich es dann für mich auch schon klarer 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s