Das Schreiben und Ich

Schreiben_HandIm Rahmen des Seminars „Texte und Kontexte der Wissenschaft“ unter der Leitung von Dr. Huter Michael an der Universität Innsbruck wurden wir vor die Aufgabe gestellt über unsere Schreibaktivitöten zu reflektieren. Es galt Schwächen und Stärken zu definieren, diese an Hand eines Textausschnittes für andere erkennbar zu machen sowie ein Schreib-Tagebuch zu führen.
Einige der Ergebnisse möchte ich hier zur Diskussion stellen. Denn was ich glaube, dass meine Stärken und Schwächen von Textproduktion sind, müssen nicht unbedingt die sein, die mein LeserInnenpublikum als Stärken und Schwächen meiner Texte wahrnehmen. Ich freue mich daher über jedes Kommentar zu diesem Thema. – Damit die Textproduktion weitergehen kann.

Schreiben: Was ich glaube zu können

Ich schreibe viel und ich schreibe gerne.
Ich schreibe wissenschaftliche Texte, populär-wissenschaftliche Texte, essayistische Texte, gesellschaftskritische Texte, Einkaufslisten, To-Do-Listen, E-Mails und Kurznachrichten via Twitter und diverser Messanger-Programme.
Ich schreibe – ja das ist schon selten geworden – gerne mit der Hand, gerne auf meinem Notebook, viel auf dem Handy, ein wenig auf dem Ipad und im Urlaub auch gerne auf Postkarten.

  • Ich glaube einen Schreibstil zu haben, der mein LeserInnenpublikum zum Weiterlesen animiert. Dies wird etwa durch eine Variation von Satzkonstruktionen und durch einen relativ umfangreichen, in den Texten verwendeten Wortschatz gefördert.

  • Da ich mich mit meinen Forschungsinteressen in philosophischen Bereichen sowie in Medien- und Bildungstheorien bewege, ist es für das Verständnis meiner Texte notwendig komplexe Zusammenhänge anschaulich und möglichst nachvollziehbar darstellen zu können. Meiner Einschätzung nach, habe ich mir diese Kompetenz durch meine intensive Schreibpraxis über die Zeit angeeignet. Natürlich gibt es hier noch „Luft nach oben“.

  • Und ich arbeite in meinen Texten gerne mit Metaphern, mit bildhaften Darstellungen, mit Redewendungen und da und dort mit Wortspielen. Auch wenn dies in strenger wissenschaftlicher Hinsicht nicht „wissenschaftlich“ ist, so denke ich, dass dies gerade komplexe theoretische Texte auflockern und das Interesse des LeserInnenpublikums zurück zum Text lenken kann. Meines Erachtens, macht gerade auch in wissenschaftlichen Texten der „Ton die Musik“ und Wissenschaft soll ja schließlich wie „Musik in unsren Ohren“ klingen.

Schreiben: Was ich glaube nicht zu können

Schreiben-TastaturDurch kollegiales Feedback, durch Rückmeldungen im Rahmen von Peer-Review-Verfahren und durch eine Lektüre meiner Texte mit etwas Distanz haben sich zwei großen Schwierigkeiten im Schreibprozess herauskristallisiert:

  • Zum einen betrifft dies, das Verfassen von Argumenten in kurzer und prägnanter Form. Diese Schwierigkeit hängt unmittelbar mit meiner Stärke in anschaulichen Bildern und Metaphern einen wohlgeformten Text zu verfassen, zusammen. Was sich zunächst also als Stärke darstellt, entpuppt sich in manchen Situationen als Schwierigkeit.

  • Zum anderen betrifft dies, dass pointierte und klare Formulieren von Aussagen und Ergebnissen am Ende eines Textes, also das Auf-den-Punkt-Bringen von Aussagen. Hier wurde mir schon mehrfach rückgemeldet, dass ich dazu neige, meine Aussagen mit Formulierungen wie „es scheint, dass“, „es ist daher möglich, dass“ etc. zu relativieren, anstatt zu meinen wissenschaftlich fundierten Ergebnissen zu stehen. Meines Erachtens ist dies aber nicht nur eine meiner Herausforderungen, sondern häufig eine geisteswissen-schaftlicher Textproduktion im Allgemeinen.

Ich habe diese meine Stärken und Schwächen in der Seminararbeit an Hand eines Textausschnittes ersichtlich gemacht, der erst im September 2014 publiziert wird. Auf Grund der rechtlichen Situation werde ich den Textausschnitt hier nicht veröffentlichen. Es finden sich aber mit Sicherheit in meinen vorangegangenen Blog-Beiträgen eine Vielzahl von Beispielen für die beschriebenen Stärken und Schwächen finden.

Über Schreiben schreiben – ein Logbuch

Mit der folgenden Tabelle stelle ich meine Schreibaktivitäten innerhalb des Zeitraums zwischen 24.5.2014 und 23.6.2014 – mit einer urlaubsbedingten Unterbrechung von 12.06. bis 22.06.2014 – dar. Es wurde Schreibaktivitäten in folgenden Bereichen einbezogen:

  • meine Disseration und
  • andere wissenschaftliche Schriftstücke
    (Vorträge, Artikel, inhaltliche Vernetzung mit KollegInnen, inhaltliche Feedbacks und Kommentare, Texte für das PhD-Studium u.ä.);
  • Aktivitäten auf diesem Blog,
  • Kommunikation mit diversen Messengers (iMessage, WhatsApp u.ä.) sowie
  • auf Twitter
  • und die Aktivitäten in meinem Mailausgang.

Während ich jenen Texte, die für mein unmittelbares wissenschaftliches Weiterkommen inhaltlich bedeutsame sind, genauer analysiere sowie auf den Text-Kontext und die Text-Qualität eingehe, stelle ich alle anderen Textsorten nur quantitativ dar. Die quantitative Darstellung scheint insbesondere deswegen relevant, da eine Vielzahl dieser Nachrichten in der Kommunikation mit KollegInnen entsteht und damit einen hohen Zeitaufwand sowie eine hohe Bedeutung für eine Jungwissenschaftlerin im Kontext der bildungstechnologischen Forschung darstellt. Nachrichten und Texte mit tatsächlich privatem Inhalt wurde nicht gewertet. Bei manchen Nachrichten war eine klare Trennung jedoch unmöglich.

Hervorzuheben ist, dass ich mich im Moment in Bildungskarenz befinde und ich daher meine volle Arbeitskraft in die Textproduktion rund um die Dissertation einbringen kann. Lediglich ein kleiner Teil der Zeit verwende ich für einen Nebenerwerb, indem ich Studierende bei der Textproduktion von Abschlussarbeiten unterstütze.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich die Zeit als eine schreibintensive wahrgenommen habe. Durch das Verfassen des Schreibprotokolls habe ich gemerkt, dass ich die Zeit noch intensiver gestalten hätte können. Ich denke aber, dass es Zeit und Ruhe braucht um qualitativen Text im geisteswissenschaftlichen Kontext zu verfassen. Argumente und Gedanken brauchen Zeit zum Reifen. Darüber hinaus wurde mir verdeutlicht, wie viel Zeitaufwand in die Kommunikation mit KollegInnen fließt. Hierzu dachte ich eine gute Einschätzung zu haben. Dass die Anzahl der Messenger-Nachrichten in einem Monat bei 750 liegt dachte ich nicht. Trotz hohem Aufwand scheint mir dies dennoch auf Grund meines Arbeits- und Forschungsbereichs gerechtfertigt.

Ich freue mich über Rückmeldungen, Gedanken etc. zu eigenen, meinen oder anderen Schreibprozessen.

Bildschirmfoto 2014-06-23 um 17.59.05

 

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