Beschwerde an meine kritische Leserin!

Betreff: Beschwerde bezüglich des Arbeitsverhältnisses zwischen meiner persönlichen kritischen Leserin und mir

Sehr geehrte kritische Leserin!

Seit bereits geraumer Zeit arbeiten wir im Kontext verschiedenster von mir angefertigter Schriftstücke zusammen. In dieser Zusammenarbeit haben Sie mir bereits wertvolle Dienste erwiesen. In der Vergangenheit konnte ich mich auf Sie verlassen! Sie haben wohl als einzige jeden meiner Texte – und wirklich ausnahmslos jeden – gelesen!
Hierzu möchte ich Ihnen vorweg meinen verbindlichsten Dank aussprechen!

Diese produktive Zusammenarbeit wurde in der letzten Zeit jedoch getrübt.
Der Grund dieser Verstimmung ist, meines Erachtens, Ihr zunehmend unverlässliches und vor allem sprunghaftes Feedback auf meine Texte. Insbesondere zeigt sich dies nun, da ich im Rahmen meines Doktorats täglich intensiv an der Textproduktion arbeite und Sie ständig am Stuhl neben mir sitzen. – Glauben Sie mir: Im Grunde ist es ein Gefühl der Sicherheit, Sie am Platz neben mir zu wissen. Aber in manchen Momenten lösen ausgerechnet Sie eine große Verunsicherung aus.

Hierzu möchte ich Ihnen ein aktuelles Beispiel schildern:

Vergangene Woche bin ich, wie Sie wissen, einen wichtigen Schritt mit meiner Dissertation gegangen.
Ich habe die Arbeit an drei zentralen Kapiteln (vorläufig) abgeschlossen und das Dokument zur Ansicht an meinen Betreuer übermittelt. Dass ich das Dokument abgeschicken konnte, liegt auch darin begründet, dass Sie mir das Gefühl vermittelt haben ein gutes, eloquentes, vielfältiges und durch und durch interessantes Schriftstück angefertigt zu haben.
Seit einigen Tagen hat sich das Blatt aber gewendet.
Nun vermitteln Sie mir bezüglich des gleichen Schriftstücks ein ganz anderes Bild. Ich habe den Eindruck, dass Sie meinen finalisierten Text eigentlich abscheulich, katastrophal und schlicht „nicht zum lesen“ befinden.

Da frag ich mich doch:
Warum haben Sie das nicht schon vorher gesagt?
Und warum ändern Sie Ihre Meinung von einem Tag auf den anderen?
Haben Sie mir die Zufriedenheit über meine geleistete Arbeit nur vorgetäuscht?
Hat die Tatsache, dass ich den Text abgeschickt habe, etwas mit Ihrer Meinungsänderung zu tun?

Ich komme also – auch eingedenk dieses Beispiels – zum Schluss, dass das von Ihnen an mich übermittelte Feedback nicht immer den Tatsachen entspricht. Sie fällen dieses vielmehr willkürlich und je nach Tagesverfassung. Ein kleines Ereignis, wie jenes des Abschickens des Textes, kann dabei Ihre Meinung grundlegend ändern.

Wenn dieser Schluss den Tatsachen entspricht, dann müssen wir unser Arbeitsverhältnis einerseits grundlegend überdenken und andererseits die Sinnhaftigkeit einer weiteren Zusammenarbeit überhaupt hinterfragen.

Freundlichst und innigst,

Die Autorin

PS: Da Sie während des Aufsetzens dieser Beschwerdenachricht ohnedies unentwegt über meine Schulter gespäht haben, werde ich davon absehen das Dokument an Sie postalisch zu übermitteln. Ich bitte aber dennoch freundlichst um baldige Rückmeldung.

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