Die Merkwürdigkeit der Zeit. Oder das Ende des Urlaubs.

Mit der Zeit ist das so eine Sache.
Braucht man dringend mehr davon, kommt sicher keine nach.
Will man aber, dass sie möglichst schnell vergeht, braucht sie gefühlt doppelt so lang. Und irgendwie hat die Geschwindigkeit des Zeit-Vergehens auch damit zu tun, ob man sich auf etwas konzentriert und was dieses Etwas ist.Oberschlierbach

Ich habe mir in den vergangenen zwei Wochen „bewusst“ Zeit „genommen“. ( – Wie das schon klingt! – Woher kann man sich Zeit nehmen? Und was meint bewusst?)
Im Grunde bedeutet es für mich, meine Konzentration von den üblichen Dingen – Geld verdienen, fleißig sein etc. – auf andere, neue, weniger oft gesehene Dinge zu richten. Ich muss nicht geschäftig von einem Ort zum anderen hetzen. Was ansonsten unter Nichts-Tun fällt, meint in dieser Zeit Kontemplation, Muße oder Entspannung. Damit fällt der Hauch des „Faulen“ von dieser (Nicht-)Tätigkeit ab. Sie rückt Richtung Wellness, Fitness und ausgeglichener Work-Life-Balance.

Nun ist die Urlaubs-Zeit wieder vorbei. Nun geht es wieder mit dem Arbeiten, Denken, Schreiben usw. weiter. Für die kommenden Wochen steht eine intensive Auseinandersetzung mit J.-F. Lyotard am Plan. Ein wenig habe ich mich bereits eingearbeitet. Und siehe da! Auch Lyotard stößt mich unvermittelt auf die Zeit-Thematik:

„Erfolg aber besteht darin, Zeit zu gewinnen. […]
Die Reflexion verlangt Aufmerksamkeit gegenüber dem Vorkommnis [occurence],
verlangt, daß man nicht bereits weiß, was geschieht.
Sie läßt die Frage offen: Geschieht es?
Sie versucht, das Jetzt zu bewahren (welch mißliches Wort!).“
(Lyotard, 1983, S.16)

Auch wenn der Urlaub vorbei ist und das Arbeiten an der Doktorarbeit wieder aufgenommen wird, versuche ich dieses Arbeiten nicht unter die Prämisse der Zeiteffizienz zu stellen, sondern der Frage nachzugehen „Geschieht es?“. Geschieht überhaupt etwas? Was geschieht wenn nichts geschieht? Ist Nichts vielleicht vielmehr als Viel? Kann man und wie kann man Geschehen in Viel und Wenig einteilen? Was meint Geschehen?….

Quellen:

Lyotard, J.-F. (1983). Der Widerstreit. (J. Vogl, Übers.) (2. korrigierte.). München: W. Fink, 1989.

Foto: Morgenstimmung in Oberschlierbach, Austria (eigene Fotografie)

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