Da steh ich nun, ich armer Tor… – Conclusio-Versuch zur GMW14

Kann man im Goethe´schen Faust lesen:

Da steh ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.

So gilt für mich resümierend im Anschluss an die soeben zu Ende gegangene GMW14-Tagung (Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft) unter der thematischen Fokussierung „Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken“ an der PH Zürich:

Da stehe ich nun, ich armer Tor,
und weiß noch viel weniger als zuvor.Zürich_GMW

Bin ich noch mit einem vagen und schwammigen Verständnis von Raum, Räumlichkeit und einer möglichen Trennung zwischen „realen“ und „medial-vermittelten“ bzw. „medial-virtuellen“ Umgebungen nach Zürich gefahren, hat sich dieses rasch bei den diversen Sessions, aber hauptsächlich in den Kaffeepausen- und Heimweg-Gesprächen auf der Zugfahrt (Danke @timovt) in zunehmenden Maße verflüchtigt.

  • Was ist ein Raum und was sind Räume?
  • In welcher Form greifen Räume ineinander – egal ob „real“, „medial-virtuell“ oder was auch immer? Und wie nehmen wir diese Raum-Konglomerate wahr?
  • Welche Rolle spielt die Frage der Aufmerksamkeit bei der Raumwahrnehmung? Können wir uns körperlich im realen, topografischen Raum befinden, während wir „geistig“ dh. mit unserer Aufmerksamkeit im medial-virtuellen Raum aufgehen?

Der Versuch eines Resümees im Anschluss an die GMW14 ist angesichts dieser offenen Fragen schlicht und einfach zum Scheitern verurteilt.

Hier also mein zu Schrift-gewordenes Scheitern.

Der erste Aspekt, den ich nicht einlösen kann und zum Scheitern beiträgt, ist eine „ganzheitliche“ Zusammenfassung der Konferenz. Ganzheitlich würde hier wohl eine Beschreibung des umfassenden Lern- und Bildungsraumes bedeuten, der durch die Konferenz eröffnet wurde. Das schließt eine Besprechung der

  • inhaltlichen Komponenten der heterogenen Vorträge,
  • überaus angenehmen und technisch gut ausgestatteten Räumlichkeiten der PH Zürich,
  • Fragen der Qualität der Verpflegung – die immer vorhandene Möglichkeit den Koffeeinspiegel gleichbleibend hoch zu halten und den Körper darüber hinaus  mit frischen Vitaminen zu versorgen sei hier besonders positiv hervorgehoben – ,
  • den Lernraum miterzeugenden KollegInnen und ihre anregenden Inputs
  • und noch viel mehr, ein.

Diese Aspekte sind auch jene, die uns immer wieder begegnet sind, wollten wir die Bedingungen eines Lern- und Bildungsraumes festmachen. Gerade bei diesem Festmachen hat sich eine Problematik eröffnet:

Bleibt man auf der Oberfläche, sind die aufgeworfenen Fragen schnell beantwortet.
Gräbt man aber tiefer, werden sie unbeantwortbar.

Diese Unbeantwortbarkeit scheint sich, meines Erachtens, aber nicht in unterschiedlichen Raumbegriffen, mit denen wir auf der Konferenz operiert haben, zu liegen; sondern in der Verbindung der thematischen Bereiche Raum und Medien und immer wieder aufkommender aber nicht (mehr) haltbarer Dualismen wie real vs. virtuell, real vs. nicht-real, medial vs nicht-medial (Was ist überhaupt nicht-medial?), räumlich vs. nicht-räumlich (Könnern wir überhaupt wo sein, wo kein Raum existiert?)…

Wie kann es zusammengehen, dass wir IN einem Cafe sitzen, IM Internet sind, uns IN der Lernumgebung befinden, uns IN ein Thema einarbeiten, das ganze IN einem INteraktiven Diskurs mit Lehrenden und anderen Studierenden und dabei höchst INvolviert, INtressiert und INtrinsisch motiviert sind?

Wie können wir im Seminarraum an der PH Zürich sitzen, bei der Session konzentriert zuhorchen, gleichzeitig Zürich durchs Fenster sehen und auf Twitter Kommentare verfolgen?

Dass es zusammengeht, wissen wir. Die Frage, die sich stellt ist jedoch: Wie?

Ausschnitt_Seminarraum_GMW

Über die BRÜCKE oder durch den FLUSS auf die andere Seite?

Kommt man vom Hauptbahnhof Zürich und flaniert Richtung Pädagogische Hochschule, wo die GMW stattgefunden hat, muss man eine Brücke über die Sihl queren (am Ende der Brücke befindet sich im übrigen die Bar Rio, wo bei gutem Espresso wesentliche Teile dieses Blog-Beitrags entstanden sind). Als ich da so gesessen bin und über das Verhältnis und das In-Einander-Übergehen von Räumen nachgedacht hab und – angeregt durch Mandy Rohs´ Metaphern-Votrag – Bilder darüber entwickelt habe, ist mir eines recht brauchbar erschienen. Diese möchte ich hier kurz vorstellen und zur Diskussion (Kommentare sind herzlich willkommen!).

So gleicht mir die gängige Vorstellung der Trennung zwischen realen und medial-virtuellen Räumen sowie der Übergang zwischen diesen einem Überschreiten einer Brücke. Befindet man sich zuvor in der „realen“ Welt, verlässt man diese, schreitet über die Brücke und kommt in eine medial-virtuelle Lernumgebung. Wenn aber diese Räumlichkeiten ineinander übergehen, ist die Brücken-Metapher nicht mehr haltbar. Ebenso ist nicht mehr haltbar, dass es sich um zwei unterschiedlicher Ufer-Seiten handelt, die durch einen Fluss getrennt sind. Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns im Fluss selbst, also im Verschwimmen der unterschiedlichen Räumlichkeiten – egal ob „real“ oder „medial-virtuell“ – befinden? Und gilt es dann in Lern- und Bildungsräumen nicht die Fähigkeit des „Sich über dem Wasser Haltens“ zu vermitteln?

So beende ich meine gescheiterte Zusammenfassung also mit einer gänzlich offenen Frage und fehlenden Antworten.

Zürich_Brücken_GMW

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