Neue Ästhetik, neue Gedanken: Die Änderungsschreiberei im neuen Design

Schon einige Zeit war ich mit dem Design der „Änderungsschreiberei“ unzufrieden. Wohl deswegen, weil der Blog ein Begleitprojekt meiner Promotionsphase war und diese Phase seit einigen Monaten endgültig abgeschlossen ist. Neue, andere Projekte stehen ins Haus. Neue, andere thematische Schwerpunkte haben sich nach und nach herauskristallisiert. Neue Gedanken brauchen neues Design. Oder um es mit Heinrich Breloer (Autor, Filmregisseur) zu sagen (das Zitat hab ich irgendwo aufgeschnappt, daher so unwissenschaftlich zitiert):

„Ästhetik allein genügt nicht – nein, eine politische, gesellschaftliche Haltung ist stets vonnöten. Sonst droht Verfall.“

Verantwortung und Medienbildung

Eine politische, kritische Haltung und ein Verantwortungsgefühl im Kontext der Medienbildung haben sich in den letzten Monaten bei mir verstärkt und nach und nach zur genannten neuen thematischen Schwerpunktsetzung geführt. Diese Veränderung – ja, in der Änderungsschreiberei geht es immer noch um Veränderungen – kann ich an drei konkreten Momenten festmachen:

  • Ich habe ein altes, langsames iPhone 4. Langsam gibt es den Geist auf. Gleichzeitig habe ich mehrere Altgeräte (Smartphones, Tablets, Notebooks einschließlich der jeweiligen Kabel und Adapter) zu Hause herumliegen. Wenn dem bei mir so ist, wie sieht es dann in anderen Haushalten aus? Und wieviele Altgeräte liegen wohl in großen Institutionen herum? – Dieser konkrete Moment führte mich zur Auseinandersetzung mit Fragen nach ökologischen Implikationen der Nutzung digitaler Medien.
  • Parallel dazu habe ich „A Geology of Media“ von Jussi Parikka gelesen, der darin anschaulich die Veränderungsdynamiken der Nutzung (digitaler) Medien für unseren Lebensraum und für den Planenten Erde beschreibt.
  • Und schließlich wurde ich durch die Frage herausgefordert, welche Aufgabe ich Kindern in Nepal geben würde, wenn diese zum ersten Mal, durch die Schule zur Verfügung gestellt, ein internetfähiges Tablet sowie Internetanschluss bekämen.

Diese drei Momente lassen mich über eine…

…weltumspannende, postkolonialen Medienpädagogik nachdenken, die die Mediatisierung und ihre transnationalen Wirkzusammenhänge in den Blick nimmt, um Verantwortung artikulieren und übernehmen zu können.

Dabei gilt es neben den inhaltlichen Dimensionen auch danach zu fragen, ob der Pädagogik als Disziplin an dieser Stelle überhaupt eine Verantwortung zukommt respektive zukommen kann und nach welcher normativen Richtschnur dies ggf. erfolgt.

„Dies wird [in der Frage deutlich,…], ob und wenn ja, welche moralische Verantwortung wir, die Bürgerinnen und Bürger wohlhabender Länder, einzeln und gemeinsam gegenüber Menschen in extremer Armut tragen. Genauer ist zu fragen, mit Bezug auf welche normativen Standards eine solche Verantwortung formuliert werden kann, welches Gewicht sie im Vergleich zu anderen lebensweltlichen Verantwortungsbeziehungen hat und welche Konsequenzen sie in der politischen Sphäre zeitigen müsste.“ (Beck 2016, 15)

Beck skizziert die „ökonomische und ökologische Interdependenz im globalen Kontext“, die zu einer Verschärfung etwa des Armut-Problems führt, indem Menschen die bereits in extremer Armut leben schon heute die „Gläubiger“ des Klimawandels sind. – Diese Dimensionen gilt es m.E. mit Fragen der Mediatisierung und des individuellen Medienhandelns zu verknüpfen.

Ich freue mich, dass zu diesem Thema bereits einige Publikationen entstanden sind oder aktuell im entstehen sind. Und dass wir mit ÖHA! dazu ein Entwicklungsprojekt starten.

Und noch was…

Wie sich herausgestellt hat, ist das das regelmäßige Veröffentlichen eines Blog-Beitrags aus Zeitgründen immer schwerer geworden. Um dennoch regelmäßig zu formulieren, was mich beschäftigt habe ich mich dazu entschlossen 12 mal im Jahr eine Monatsnachlese zu schreiben (wie ich es andernorts schon gesehen habe). Drückt die Daumen, dass das klappt.

Quellen

  • Beck, Valentin (2016): Eine Theorie globaler Verantwortung. Suhrkamp, Berlin 2016.
  • Parikka, Jussi (2015): A Geology of Media. Minneapolis and London: Electronic Mediations.

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