Das Verschwinden des treuen Begleiters von Bildung in der Gegenwart

Kulturelle Entwicklungen haben die Eigenheit sich langsam und behutsam in unser Leben einzuschleichen, um nach einiger Zeit, wenn selbst die Industrie und die breite Öffentlichkeit davon Wind bekommen hat wie ein Gigolo laut zurufen: „Hei, ich bin da! Du willst und kannst nicht ohne mich.“ Manche kulturelle Bereiche zieren sich wie eine Diva, dies auch wirklich zu glauben und brauchen mehr Überzeugungskraft als andere. Eine solche Diva ist Bildung respektive das Bildungssystem. Und einer dieser etwas lautstarken Gigolos sind digitale Medien; – oder das was in der Thematisierung von Mediatisierung und Digitalisierung jeweils aufs Neue in den Fokus gerückt und mit einem neuen, schillernden Begriff bezeichnet wird. „Das Verschwinden des treuen Begleiters von Bildung in der Gegenwart“ weiterlesen

Hurra, die Diss ist da!

„Grinsend wie ein frisch lackiertes Hutschpferd freue ich mich wie ein Keks.“

Diese Verquickung zweier Redewendungen verbindet sprachlich zwei Nationen, zwei Regionen, zwei Sprachfamilien und durchaus zwei Mentalitäten, die mich in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt haben. Diese beiden Topographien waren mir (temporäre) Heimaten und – ganz pathetisch formuliert – Wiegen meiner Gedanken. Jener Gedanken, die ich in durchaus mühsamer Arbeit in meiner Dissertation „Bildung reloaded. Zu einem zusammenhängenden Ganzen verwebt habe.

Nun sind diese Gedanken offiziell zugänglich und – wie gesagt – ich freue mich sehr und grinse ‚wie ein frisch lackiertes Hutschpferd’.
Meine Dissertation ist über diesen Link frei verfügbar.
Das Abstract ist am Ende dieses Beitrags. Und wer sich nach dem traurigen Tod von Zygmunt Bauman mit diesem gerade jetzt auseinandersetzen möchte;  – er spielt eine zentrale Rolle in meinen Überlegungen.

Wem die Lektüre mit einem gedruckten und gebundenen Buch mehr behagt, muss sich noch etwas gedulden. Eine Veröffentlichung in gedruckter Version ist unter innsbruck university press bis Mitte des Jahres geplant.

Schönes Wochenende und hoffentlich spannende Lektüre.

Abstract Deutsch:

Bildung findet im Heute, mit Bezug auf Vergangenheit und Zukunft statt. Bildungskonzepte, die der jeweiligen Historizität zu entsprechen suchen unabhängig ob Bildung als individuelle Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen oder als institutionell vorgegebener Prozess verstanden , dürfen aktuelle Gesellschaftsdiagnosen und antizipierte Entwicklungstendenzen nicht unberücksichtigt lassen. Gegenwärtige Lebensbedingungen sind von Pluralisierung, Beschleunigung und nicht zuletzt von einer Mediatisierung und Technologisierung geprägt. Mediatisierung ist hier als grundlegend mediale Präfigurierung aller Lebensbereiche zu verstehen. Nicht selten wird auf Basis genannter Lebensbedingungen für die Gegenwart eine Krise diagnostiziert. Ein Bildungsverständnis, das auf aufklärerisch-humanistische Motive zurückgreift, wie es gegenwärtig häufig noch der Fall ist, hat sich für postmoderne Lebensbedingungen als nicht entsprechend erwiesen. Die beschriebenen sozio-kulturellen Entwicklungen erfordern ein Überdenken und Nachjustieren des bisherigen Bildungsverständnisses. Ausgehend von Beschreibungen sozio-kultureller Bedingungen, die in postmoderner und poststrukturalistischer Tradition stehen, hat die vorliegende Studie Implikationen für eine Vergegenwärtigung des Bildungsverständnisses erarbeitet. Die dabei eingenommene historisch-hermeneutische hat sich im darauffolgenden Schritt um eine kritisch-konstruktive Perspektive erweitert: Drei vieldiskutierte pädagogische Konzepte (von Hans-Christoph Koller, Wolfgang Klafki sowie Benjamin Jörissen und Winfried Marotzki) wurden im Hinblick auf die erarbeiteten Implikationen analysiert. Nach und nach konnten so durch ein deduktives ‚Herausschürfen‘ sozio-kultureller Implikationen für die Pädagogik weitreichende Anschlussmöglichkeiten für eine Vielzahl pädagogischer Handlungsfelder eröffnet werden. Als wesentliche Erkenntnis hat sich gezeigt, dass neue, mediale Darstellungsformate ebenso neue reflexiv-tentative, explorativ-spielerische Verhandlungsformen von Selbst- und Weltverhältnissen ermöglichen. Solche spielerischen, bisherige Handlungsspielräume erweiternden Modi haben sich angesichts einer von Kontingenzen und Ambivalenzen geprägten Lebenswelt als mögliche Antwort auf gegenwärtige und antizipierte zukünftige Herausforderungen erwiesen. Diese Beispiele verweisen auf ein breites Spektrum sozio-kultureller Implikationen für ein Neudenken von Bildung, für das die vorliegende Studie Leitaspekte formuliert.

Abstract Englisch:

According to Zygmunt Bauman education as we know it is ‚in trouble‘. Facing sociocultural changes of the last decades the idea of education in a humanistic tradition is not appropriate anymore. Corresponding to that, this paper outlines main sociocultural implications of the present age for education in a first step. A discussion of Jean-François Lyotard’s ‚postmodernity‘, Zygmunt Bauman’s ‚liquid modernity‘ and Manfred Faßler’s ‚Communities of Projects‘ in a modern time of mediatization and therefor by following a postmodern tradition was done to identify main implications for education by means of a historic-hermeneutic analysis. The idea of mediatization implicates not only an increase of digital media in everyday life, but a general mediatic determination of all parts of our life. In a second step this set of pedagogical implications got used as criteria for a critical reception of three educational concepts, which on the one hand are wildly used and discussed in the german-speaking pedagogical discipline and are aiming to be historical appropriate on the other hand. These are the theory of transformative education (‚Bildung‘) by Hans-Christoph Koller, a concept of general didactics by Wolfgang Klafki and the concept of media education by Benjamin Jörissen and Winfried Marotzki. In this analysis a wide range of challenges for a present idea of education got outlined: The ability for flexibility, as an example, turned out to be an ideal accomplishment of the fundamental pluralization and acceleration of the present life. As an answer to the heterogeneity of life forms and of social relationships in the junction of an online and offline world, in consequence of the fundamental process of mediatization, the use of new technology and innovative modes of medial forms of self-representation and -articulation in a playful, tentative and explorative way was pointed out. By considering sociocultural challenges of the present and theoretical ideas of education for a life characterized by a fundamental mediatization, this approach describes the main issues to be considered by re-thinking education for the present.

 

Ich habe meinen Hafen gefunden. Oder: Noch mehr Neues von Mai bis Juli

Es war cirka Mitte Mai, als ich in einem Beitrag anstehende Neuerungen im privaten und beruflichen Kontext angekündigt und gleichzeitig eine Portion Geduld eingefordert habe. – Nun ist es so weit und alle Neuerungen sind fix, auch wenn die tatsächliche Umsetzung dort und da noch in den Sternen steht und sich erst in den kommenden Wochen konkretisiert. „Ich habe meinen Hafen gefunden. Oder: Noch mehr Neues von Mai bis Juli“ weiterlesen

Was sich NachwuchswissenschaftlerInnen von Führungskräften an Unis wünschen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Als NachwuchswissenschaftlerInnen befinden wir uns oftmals in einer komplexen Situation: Als Angestellte einer Universität sind wir der Institution zur Arbeit verpflichtet. Hierarchische Führungsstrukturen von der Universitätsleitung, über die Fakultätsleitung bis zur Institutsleitung und nicht zu letzt die Weisung der vorangestellten Professur prägen unsere Arbeit. Gleichzeitig befinden wir uns oft in einem Qualifizierungsprozess wie dem Doktorat oder der Habilitationsphase und damit in einem Betreuungs- und Begutachtungsverhältnis mit einer bzw. der uns vorgestellten Professur.Grafik_wordpress In einer Abschlussarbeit an der Universität Innsbruck im Rahmen meines Doktoratsstudiums gehe ich daher der Frage nach, welche Wünsche NachwuchswissenschaftlerInnen gegenüber Führungskräften in der universitären Arbeitssituation einbringen. Zur Beantwortung der Frage habe ich eine Online-Umfrage gestaltet. Wenn du dich in einem

  • Promotions- oder Habilitationsverfahren befindest und
  • gleichzeitig an einer Universität angestellt bist würde ich mich über deine Teilnahme bei der Online-Umfrage freuen.

→ Hier kommst du zur Online-Umfrage. Ich freue mich über jede Teilnahme und werde mit den Angaben selbstverständlich vertraulich und respektvoll umgehen. Wenn die Daten es zulassen, werde ich über das Ergebnis hier gerne berichten.

Wozu eine Tagung zur Frage des Wozu´s der Medienbildung?

Rückblick auf die Tagung „Medien – Wissen – Bildung“, Innsbruck, Februar 2015

IMG_2442Ende Februar 2015 fand an der Universität Innsbruck[1] eine weitere Ausgabe der Konferenz-Reihe Medien – Wissen – Bildung statt. Die diesjährige Tagung folgte dem Anspruch sich dem „Drehtürbegriff“ Medienbildung zu nähern und diesen wissenschaftlich, theoretisch, praktisch und künstlerisch abzutasten und zu legitimieren. Das im Call formulierte Ziel war es, in einer „interdisziplinären und internationalen Gemengelage Synergien“ zwischen heterogänen Zugängen zu eruieren und sichtbar zu machen. Neben klassischen Vorträgen mit anschließender Diskussion fanden Lightning Talks, Poster Sessions, Workshops, Paper Discussions und ein Speed-Dating, bei dem im Schnellverfahren differente wissenschaftliche Zugänge kennengelernt und gegenübergestellt werden konnten, statt.

Die übergeordneten Fragen lauteten: Welche Zielvorstellungen generiert Medienbildung hier? Wozu wird diese betrieben?. Oder kurz: Medienbildung wozu?

Kritisch kann man daran anschließend fragen: Wozu eine wissenschaftliche Konferenz zur Frage des Wozu´s der Medienbildung? – Dieser Frage geht der vorliegende Tagungsrückblick an Hand einiger konkreter Aspekte nach. „Wozu eine Tagung zur Frage des Wozu´s der Medienbildung?“ weiterlesen