Reaktionen auf den Presse Artikel „Wer Strafe nicht vollzieht, wird unglaubwürdig“ (29.11.2014)

Seit 29.11.2014 Abends findet sich ein Text mit dem Titel „Wer Strafe nicht vollzieht, wird unglaubwürdig„, verfasst von Wolfgang Greber auf der Online-Seite von „Die Presse“.

Die Lektüre des Textes kann ich allen empfehlen!
Sie dient insbesondere dazu, zu erkennen welche Arbeit in der Pädagogik noch geleistet werden muss und wie weit wir von einer eigentlich schon lange gesetzlich geregelten gewaltfreien Erziehung entfernt sind.

Der Artikel hat zahlreiche Reaktionen auf seine Schilderungen und Legitimierungsversuche von gewaltvollen Erziehungsmaßnahmen an Kindern hervorgerufen.
Ich selbst werde an dieser Stelle keine Gegenargumente anführen, sondern verweise auf jene, die das bereits ausführlich und gut begründet getan haben.

Wenn der Artikel etwas gutes hat, dann dass nun über das Thema diskutiert wird und all jenen, die immer noch wie Herr Greber der Meinung sind, dass Gewalt an Kindern auch nur irgendeine Legitimation besäße, wachgerüttelt werden!

Im „Werken“ am Werk entsteht das Werkzeug

IMG_1709Oktober ist´s!
Zeit der Bierzeltfeste, der Maßkrüge, der Dirndlkleider und der mit neu inskribierten Studierenden gefüllten Unis.

Ich bin über den Sommer fleißig an der Arbeit gesessen. Jetzt hab ich mir auch ein Bier verdient.
Über den Sommer hat mich ein Gedanke immer wieder beschäftigt, der all jenen, die einem Bierzeltfest beiwohnen eher wurscht sein wird, aber für all jenen die ins wissenschaftliche Arbeiten neu eintauchen leitend sein kann.

In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit J.F. Lyotard beschäftigt. (Gut, der Sprung von Bierzeltfesten und Dirndlkleidern zu Lyotard ist ein großer!) Ein detaillierterer Exkurs über Lyotards sprachtheoretische Auseinandersetzng mit postmodernen Gesellschaften findet sich in einem Abschnitt meiner Dissertation und wird hier zu einem späteren Zeitpunkt genauer besprochen. Ein Gedanke Lyotards lässt mich jedoch nicht mehr wirklich los. Das ist jener darüber, wie sich Regeln und Werkzeuge eines geschriebenen, eines bildnerisch dargestellten, eines handwerklich hergestellten etc. Werkes erst in der Arbeit an diesem Werk herauskristallisieren. „Im „Werken“ am Werk entsteht das Werkzeug“ weiterlesen

Da steh ich nun, ich armer Tor… – Conclusio-Versuch zur GMW14

Kann man im Goethe´schen Faust lesen:

Da steh ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.

So gilt für mich resümierend im Anschluss an die soeben zu Ende gegangene GMW14-Tagung (Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft) unter der thematischen Fokussierung „Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken“ an der PH Zürich:

Da stehe ich nun, ich armer Tor,
und weiß noch viel weniger als zuvor.Zürich_GMW

Bin ich noch mit einem vagen und schwammigen Verständnis von Raum, Räumlichkeit und einer möglichen Trennung zwischen „realen“ und „medial-vermittelten“ bzw. „medial-virtuellen“ Umgebungen nach Zürich gefahren, hat sich dieses rasch bei den diversen Sessions, aber hauptsächlich in den Kaffeepausen- und Heimweg-Gesprächen auf der Zugfahrt (Danke @timovt) in zunehmenden Maße verflüchtigt.

  • Was ist ein Raum und was sind Räume?
  • In welcher Form greifen Räume ineinander – egal ob „real“, „medial-virtuell“ oder was auch immer? Und wie nehmen wir diese Raum-Konglomerate wahr?
  • Welche Rolle spielt die Frage der Aufmerksamkeit bei der Raumwahrnehmung? Können wir uns körperlich im realen, topografischen Raum befinden, während wir „geistig“ dh. mit unserer Aufmerksamkeit im medial-virtuellen Raum aufgehen?

Der Versuch eines Resümees im Anschluss an die GMW14 ist angesichts dieser offenen Fragen schlicht und einfach zum Scheitern verurteilt. „Da steh ich nun, ich armer Tor… – Conclusio-Versuch zur GMW14“ weiterlesen

Beschwerde an meine kritische Leserin!

Betreff: Beschwerde bezüglich des Arbeitsverhältnisses zwischen meiner persönlichen kritischen Leserin und mir

Sehr geehrte kritische Leserin!

Seit bereits geraumer Zeit arbeiten wir im Kontext verschiedenster von mir angefertigter Schriftstücke zusammen. In dieser Zusammenarbeit haben Sie mir bereits wertvolle Dienste erwiesen. In der Vergangenheit konnte ich mich auf Sie verlassen! Sie haben wohl als einzige jeden meiner Texte – und wirklich ausnahmslos jeden – gelesen!
Hierzu möchte ich Ihnen vorweg meinen verbindlichsten Dank aussprechen!

Diese produktive Zusammenarbeit wurde in der letzten Zeit jedoch getrübt.
Der Grund dieser Verstimmung ist, meines Erachtens, Ihr zunehmend unverlässliches und vor allem sprunghaftes Feedback auf meine Texte. Insbesondere zeigt sich dies nun, da ich im Rahmen meines Doktorats täglich intensiv an der Textproduktion arbeite und Sie ständig am Stuhl neben mir sitzen. – Glauben Sie mir: Im Grunde ist es ein Gefühl der Sicherheit, Sie am Platz neben mir zu wissen. Aber in manchen Momenten lösen ausgerechnet Sie eine große Verunsicherung aus.

Hierzu möchte ich Ihnen ein aktuelles Beispiel schildern: „Beschwerde an meine kritische Leserin!“ weiterlesen

Das Schreiben und Ich

Schreiben_HandIm Rahmen des Seminars „Texte und Kontexte der Wissenschaft“ unter der Leitung von Dr. Huter Michael an der Universität Innsbruck wurden wir vor die Aufgabe gestellt über unsere Schreibaktivitöten zu reflektieren. Es galt Schwächen und Stärken zu definieren, diese an Hand eines Textausschnittes für andere erkennbar zu machen sowie ein Schreib-Tagebuch zu führen.
Einige der Ergebnisse möchte ich hier zur Diskussion stellen. Denn was ich glaube, dass meine Stärken und Schwächen von Textproduktion sind, müssen nicht unbedingt die sein, die mein LeserInnenpublikum als Stärken und Schwächen meiner Texte wahrnehmen. Ich freue mich daher über jedes Kommentar zu diesem Thema. – Damit die Textproduktion weitergehen kann. „Das Schreiben und Ich“ weiterlesen

Vom Sammeln und großen Umbrüchen. Oskar Negt über Bildung und Wissenschaft im aktuellen Europa (Wien, 18.6.2014)

Designertisch

Mit diesen Satz kommt Oskar Negt vergangenen Mittwoch (18.6.) auf das Podium im Wiener Rathaus um im Rahmen der Wiener Vorlesungen über „Bildung und Wissenschaft im aktuellen Europa. Ein Gehäuse der Hörigkeit“ zu sprechen. Mit leicht abfälligem Unterton kommentiert Negt so den angesinegtchts des alten, traditionellen und erhabenen Ambientes des Großen Festsaals fast grob wirkenden, geradlinigen Edelstahl-Rednertisch. Der Satz zeigt eine von Negts Stärken auf, die auch im weiteren Verlauf des Abends zum Vorschein kommt: Pointierte Kommentare und Aussagen über Gegenwärtiges, teilweise fast bohrend oder „stichelnd“ (wie man in Österreich sagen würde) und ab und zu auch mit Vorschlägen für Neues, hier im Konkreten zu Bildung und Lernen in Europa.

Europa

Mit diesem von Negt am Podium gesagten zweiten Satz, leitet er zu seinem Hauptanliegen seines Vortrags über, während er sich in vornehmer Bescheidenheit übt. Dieses Hauptanliegen stützt er auf sein erst kürzlich erschienenes Buch „Philosophie des aufrechten Gangs: Streitschrift für eine neue Schule“ (Negt, 2014). Wer also meine Zusammenfassung im Detail nachlesen oder prüfen möchte, dem sei das genannte Buch von Negt empfohlen. „Vom Sammeln und großen Umbrüchen. Oskar Negt über Bildung und Wissenschaft im aktuellen Europa (Wien, 18.6.2014)“ weiterlesen